Die Elektrobranche steckt mitten in der Digitalisierung. Viele Betriebe haben bereits erste Schritte gemacht, eine App hier, eine Cloud-Lösung dort. Und trotzdem haben die wenigsten das Gefühl, wirklich angekommen zu sein. Eine aktuelle Studie von EIT.swiss und Sparkner zeigt warum: Das Wissen, was geändert werden müsste, ist in den meisten Betrieben durchaus vorhanden. Was fehlt, sind Zeit, Ressourcen und die richtigen Werkzeuge. Nicht die Erkenntnis.
Was die Studie zeigt
Die Befragung von Führungskräften in der Elektrobranche zeichnet ein klares Bild. Stärken wie Qualität, Kundenbeziehungen und Stabilität sind breit anerkannt. Gleichzeitig bremsen fehlende Transparenz in Projekten, unklare Ressourcensteuerung und die Umsetzung strategischer Vorhaben das Wachstum. Und das, obwohl die Führungskräfte genau wissen, wo sie ansetzen müssten. Das ist kein Erkenntnisproblem. Es ist ein Umsetzungsproblem.
Warum Ressourcenplanung so schwer zu greifen ist
Besonders die Einsatz- und Ressourcenplanung gehört zu den Bereichen, die trotz hohem Leidensdruck oft erst spät angegangen werden. Der Grund ist nachvollziehbar: Die Planung in der Elektrobranche ist komplex. Sie kann sich täglich, manchmal stündlich, verändern. Fachkräftemangel verschärft das Problem zusätzlich. Und wer schon knapp ist, hat selten Zeit, seine eigenen Prozesse grundlegend zu überdenken.
In vielen Betrieben läuft die Planung seit Jahren auf eine bestimmte Art, sie funktioniert irgendwie, und die Bereitschaft zur Veränderung ist erst dann gross, wenn der Schmerz deutlich genug ist. Oft sind es jüngere Mitarbeitende, die den Anstoss geben. Sie sind digitalen Themen gegenüber offener und können eine Brücke bauen zwischen dem, was möglich wäre, und dem, was der Betrieb bereit ist umzusetzen.
Wie ein realistischer Einstieg aussieht
Der grösste Fehler bei der Digitalisierung ist der Versuch, alles auf einmal zu verändern. Wer mit einem konkreten Schmerzpunkt beginnt, zum Beispiel der Einsatzplanung oder der Zeiterfassung, und dort eine funktionsfähige Lösung einführt, schafft Vertrauen im Team und beweist intern, dass Digitalisierung nicht Mehraufwand bedeutet, sondern Entlastung.
Drei Grundsätze haben sich bewährt. Erstens: Ziele vor Tools. Bevor ein neues System eingeführt wird, sollte klar sein, was es lösen soll. Transparenz schaffen? Weniger Rückfragen? Schnellere Reaktionszeiten bei Änderungen? Wer das nicht beantworten kann, wählt das falsche Tool. Zweitens: Klein anfangen. Ein Pilotbereich oder ein kleines Team reicht für den Anfang. So bleibt der Aufwand überschaubar und die Erkenntnisse sind konkret. Drittens: Das Team mitnehmen. Digitalisierung scheitert selten an der Technik. Sie scheitert an der Akzeptanz. Wer das Team früh einbindet und die Vorteile konkret macht, senkt den Widerstand erheblich.
Digitalisierung als Wettbewerbsvorteil
Betriebe, die ihre internen Abläufe digitalisieren, gewinnen nicht nur Effizienz. Sie werden auch als Arbeitgeber attraktiver, ein zunehmend wichtiger Faktor in einem Markt, in dem qualifizierte Fachkräfte rar sind. Wer seinen Mitarbeitenden moderne Werkzeuge bietet, klare Kommunikation und verlässliche Planung, hebt sich ab. Nicht nur bei den Kunden, sondern auch beim Recruiting.
Die Elektrobranche hat das Potenzial, mit digitalen Prozessen effizienter und attraktiver zu werden. Der erste Schritt muss kein grosser sein. Er muss nur der richtige sein.
